Melt Tag 2: French Love


Rauf aufs Gelände, mit Wasser eindecken, für Katrin Leute für Stylefotos anschnacken und dann, erstes Highlight des Samstags: Jamaica. Kein Reggae, keine Rastas, sondern Powerpop: Gitarrensoli, breitbeiniges Gepose und dennoch Pop im Sinne von Phoenix – und das zwar von zwei Franzosen, die zuvor als Poney Poney Elektro machten und deren Album von Justice produziert wurde. Popleichtigkeit, die das Testosteron auf ein erträgliches, um nicht zu sagen erotisches Level senkt. Und natürlich französischer Akzent. Seufz.

Mein Lieblingssong im Moment: Jericho.

Noch dazu sind die zwei einfach unbeschreiblich symphatisch. Ich hatte sie schon in Berlin zum Interview getroffen, und beim Melt! hatten sie uns eine Tasche für die Leser des uMag bemalt – und mir dabei live ein Ständchen gesungen. “Boys Boys Boys” von Sabrina, passend zum Taschenlabel. Jaaaaa, ich bin ein bisschen verknallt, ich geb’s ja zu ;)

Da brauchte ich dann auch die lärmenden Blood Red Shoes auf der Main Stage, um wieder von der Wolke runterzukommen. Gute Laune für Grunger, schön, dass das auch bei einem beinahe Elektrofestival so gut funktioniert.

Low low low, low low low
Find a reason why, find a reason why

Ach und warum hab ich die Friendly Fires verpasst? Es war wohl laut Berichten einer der geilsten Gigs des Melt. Und ich bin von den Jungs ohnehin begeistert, seitdem sie mir vor zwei Jahren erklärt haben, was Steampunk ist.

Weiße Masken auf der Bühne und glückliche Gesichter im Publikum, das waren Miike Snow, die den Tanzfaktor im Gegensatz zu ihrem Uebel&Gefährlich-Gig ziemlich hochgedreht haben. Mein erstes richtiges Abtanzen beim Melt 2010, tierisch gut, sozusagen.

Dj Shadow mitgenommen und von Chris Cunninghams Dj-Set plus Visuals leicht widerwillig gebannt gewesen. Full of Love war ich nicht dafür, das ging eher in Richtung Come to Daddy, eine Rückschau aufs eigene Werk, provokante Bilder, eine nackte Frau und ein nackter Mann, die sich heftig verprügeln beispielsweise, ein missgestaltetes, alienhaftes Wesen im Rollstuhl … kennt man schon, warum man dann trotzdem wie gebannt auf diese drei Leinwände auf der Bühne start, unter denen sich Cunningham im Dunkeln versteckt? Man weiß es nicht. Vor allem, weil ich da noch nicht wusste, wieviel er da wirklich live macht. Aber anscheinend ist es schon so, dass er die Bilder live zu seiner Musik synchronisiert – und das ist wiederum eine schier übermenschliche Leistung, bei der Genauigkeit auf die Sekunde und bei den krassen Bildwelten. Trotzdem. Ob das jetzt insgesamt wirklich gut war, da scheiden sich die Geister. Vielen war das “What the fuck?” auf jeden Fall ins Gesicht geschrieben.

Danach war es schwierig, wieder in Tanzlaune zu kommen. Aber ich hab mich sehr auf Moderat gefreut – und war dann umso enttäuschter, als mich ein im Gegensatz zum Roskilde mäßig überwältigender Sound erwartete. Das muss doch reinhauen! Hat es nicht ganz, wurde aber im Laufe des Sets doch besser. Und dann, schon wieder ein Tag vorbei, so langsam kommt die Wehmut auf, man will es gar nicht wahrhaben, dass da nur mehr einmal ein paar Stunden Melt auf einen warten …

2 Antworten zu “Melt Tag 2: French Love

  1. Schöne persönliche Texte und gute Photos. Warst du als Bloggerin akkreditiert? Oder wo arbeitest du?

    ach ja, und zu Moderat: Interessante Einschätzung des Sounds. Da wo wir standen, hat einen der Bass fast weggeblasen, hab immer noch ein leises Klingeln ;) also das war schon ziemlich krass, und müsste auch nicht unbedingt mehr sein… (und ja, ich halte da schon einiges aus ;) )
    Liebe Grüße, hulza

  2. Danke! Ich arbeite für das uMag und war dafür da. @moderar Stand erst seitlich, da kam am Anfang wenig an. Aber in der Mitte und im Laufe des Gigs wurde es besser. Hatte sie auf dem Roskilde kurz in einem Zelt gesehen, da war der Sound einfach dichter, greifender.

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