Schön war’s: No BNQ

Ich fürchte mich ein bisschen vor dem schwarzen Mann. Obwohl er nur eine Silhouette am Hotelfenster ist, zig Meter über mir. Er blickt hinunter und fragt sich wohl, was zum Teufel wir hier unten machen. Mitten in der Nacht. Eine Ansammlung von Leuten in der Bernhard-Nocht-Straße, die einer Band lauschen. Ein paar Stockwerke über ihm blicken die Besucher der Bar im Empire Riverside Hotel ebenfalls auf die Szenerie hinunter. Ich frage mich, was dem Herrn und den Barbesuchern wohl durch den Kopf geht beim Runterschauen. Wahrscheinlich nicht viel.

Vielleicht wissen sie, dass wir hier sind und den Goldenen Zitronen zuhören, weil die Häuserreihe an der wir stehen, abgerissen werden soll. Plattgemacht, für schöne neue Wohnhäuser mit hohen Mieten. Vielleicht sehen sie sich schon da wohnen. Ich denke nur: Wenn es soweit kommt, werden die Hotelgäste nicht mehr viel zu schauen und hören haben. Aber vielleicht ist ihnen das egal, und das ist es, was mir Angst macht.

Weil es dann kein Miethai-Kasperletheater geben wird, kein Gentropoly, keine Nachbarschaft die man seit Jahren kennt, keine Kulturinitativen und Begegnungen der Art, wie wenn das ältere Ehepaar beim Nachmittagsspaziergang mal kurz mal stehen bleibt um einer jungen Band zuzuhören. Keine öffentlichen Räume, in denen arm, alt, jung und yuppie zusammen finden. Dabei hat so etwas so viel Wert. Nur leider keinen, den man in Geld messen kann. Und das scheint das Einzige zu sein, was zählt.

Schön war es trotzdem. Eindrücke hier:

No BNQ – Fotoalbum

Eine Antwort zu “Schön war’s: No BNQ

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