Reeperbahn Festival: ein Überraschungsei

Nach drei Tagen Festivalsause heute wieder unsanft in der Realität gelandet. Und wie Sascha Lobo, das muss man ihm lassen, treffend ironisch auf Twitter formuliert: „Zu allem Überfluss ist morgen auch noch Montag. Vier Jahre lang.“ Viel mehr gibt es dazu nicht zu sagen, außer dass aus vier auch schnell acht Jahre werden können, der neue Wahlkampf also genau jetzt beginnt und beginnen muss.

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Dann lieber eine kurze Rückschau auf ein nahezu politfreies Festival:
Ich hätte nie gedacht, dass das Festival ausverkauft sein würde – zu wenige große Headliner, zu breit gefächertes Programm. Aber – was mich sehr freut – das Konzept ging auf. Anscheinend hat der Typus Showcase-Festival mittlerweile eine Art Eventcharakter entwickelt, und die Leute kommen, auch wenn sie nur wenige Bands kennen und nutzen die Gelegenheit, zum moderaten Preis in lebendiger Umgebung in unbekannte Musik hineinzuhören, Leute zu treffen, ein paar Tage auf dem Kiez abzuhängen. Die parallel laufenden Veranstaltungen Reeperbahn Campus und Kiez Kongress bringen nochmal zusätzlich einen Schwung Musikinteressierte in die Stadt. Für Hardcore-Konzertegänger ist das Festival vielleicht gar nicht so optimal, da normale Tourkonzerte doch meist besser und vor allem nicht so überlaufen sind. Aber dafür herrschte in den drei Tagen eine wuselige Atmosphäre auf dem Kiez und das Publikum war ein Querschnitt der Bevölkerung – von ganz jung bis ganz alt. Schön. Außerdem gab’s jede Menge Spiel, Spaß und Spannung.
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reeperbahnstreetDonnerstag spielten Duncan Townsend ein unangemeldetes Konzert auf einem Häuserdach und J. Mascis gab sich witzig bei MTV-Legende Ray Cokes, der immer noch fantastisch ist – seine Meet&Greet-Show im Schmidt Theater war auf jeden Fall ein tägliches Highlight. Am Freitag brachten Egotronic im Uebel & Gefährlich mit ihrem antinationalistischen Rave schon um 20 Uhr massenweise Kids zum Ausflippen und ließen eine „Wall of Love“ formieren – es wäre den Hippies eine Freude gewesen, dieses Massengeknuddel. Nur ein paar Stunden später gab es an gleicher Stelle schon das nächste Kollektivdurchdrehen: Als den Dänen WhoMadeWho der Strom ausging, stürmten die Fans einfach die Bühne und es wurde zusammen „musiziert“. Ein Riesenspaß also, und spannend war es sowieso immer, weil man nie wusste, ob man denn da, wo man reinwollte, auch reinkommen würde. Aber ich hab es immerhin zu den Editors geschafft – indem ich einfach schon zur Vorvorband das Docks stürmte. Hat sich auf jeden Fall gelohnt.

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