Der Tag der unschuldigen Kinder

Weihnachten zu Hause, das ist schön. Aber nicht besinnlich. Kochen, Essen, Abwaschen, Kochen, Essen, Abwaschen. Die eingepackten Bücher lesen sich langsamer als erwartet; Familienleben, alte Freundschaften, alte Traditionen zwacken Zeit ab. Und nach den Feiertagen beginnt der Ansturm der Geldsammler: Sternsinger (wenigstens für einen guten Zweck), Neujahrsbläser und die unschuldigen Kinder am 28. Dezember. Zu den Stoßzeiten kanns schon mal alle halben Stunden an der Tür klingeln.

Die unschuldigen Kinder sind eine der schrägsten Traditionen hier, aber deshalb auch eine meiner liebsten. Es ist eine Art steirisches Halloween, nur dass der Deal nicht „Trick or Treat“ lautet, sonder ganz anders: Die „unschuldigen“ Kinder nämlich packen eine Rute ein, gehen von Haus zu Haus, sagen ein Sprüchlein auf, verpassen den Erwachsenen ein paar Schläge und kriegen, als Dank für die Züchtigung (aka Segnung) Geld.

Das Sprücherl:

Frisch und g’sund, Frisch und g’sund
ganzes Jahr pumperlg’sund,
gern geb’n, lang leb’n, glückselig sterb’n,
des Christkindl am Hochaltar,
wünscht euch a guats neug’s Jahr.

Heut hab ich mir gedacht, ich muss mal recherchieren, woher dieser merkwürdige Brauch kommt. Die Nachforschungen haben beruhigenderweise einen katholischen und weniger einen pädophil-masochistischen Hintergrund ergeben. Der unschuldige Kindertag ist ein Gedenktag für die Knaben aus Betlehem, die von König Herodes als Reaktion auf die Geburt Jesus‘, der als geborener König gefeiert wurde, ermordet wurden.
Akt des Schlagens könnte also eine Art Vergeltung der unschuldigen Kinder an den Erwachsenen sein, die darauf gesegnet und schuldfrei ins neue Jahr gehen können. Aber das ist nur meine Vermutung. Laut Wikipedia ist der Brauch in den meisten Gegenden Deutschlands ohnehin schon im 18. Jahrhundert ausgestorben. Hier in der Steiermark werden die unschuldigen Kinder sicherlich noch länger ihre Rutenrunden drehen – zumindest solange es so gutes Taschengeld bringt.

Eine Antwort zu “Der Tag der unschuldigen Kinder

  1. Haha, „pädophil-masochistischen Hintergrund“… 🙂🙂 In Belgien wir feieren das auch. Besser gesagt, wir kennen das Brauch.

    KußKußKuß

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