zitiert #9: Journalisten sind Stahlarbeiter?

„Sie werden verschwinden, sie wissen es nur nicht.“

Geht es nach der französischen Medienforscherin Marie Bénilde sind Journalisten heute in der selben Situation wie die Stahlarbeiter in den Siebzigern. Einzige Überlebenschance: Die Hindwendung zur Community und neue Geschäftsmodelle. (via turi)

Vielleicht hat sie ja recht. Aber andererseits: Ich glaube nicht daran, dass Journalismus gänzlich verschwindet. Er muss nur anders gemacht werden. Dass dabei einige Schlachtschiffe der Branche den Bach runtergehen werden, steht fest, und auch, dass bis neue Modelle gefunden werden, kaum Geld für Qualitätsjournalismus da ist. Aber letztendlich wird Qualität sich durchsetzen. Nur heißt Qualität im Internetzeitalter wohl auch etwas anderes als bisher. Journalistische Qualität heute heißt meiner Meinung nach auch, das Wissen, die Skills der Masse gezielt zu nutzen. Insofern ist es folgerichtig, dass der Onlineauftritt von Der Freitag den Lead-Award bekommen hat, weil dort sehr stark auf die Community gesetzt wird. Aber das ist erst der Anfang. Am meisten lässt sich da wohl im Moment vom Guardian lernen, die im Massencrowdsourcing schon mal einen Schritt voraus gegangen sind. Auch Projekte wie Wikileaks gehen für mich in diese Richtung, auch wenn sie streng genommen kein journalistisches Angebot machen. Aber so ändert sich das eben. Die Journalisten der Zukunft werden weniger Fakten selber ausgraben oder vor Ort Bildchen machen, sondern dafür sorgen, dass der Gesamtinput in eine präsentable Form gebracht, verständlich aufbereitet und bewertet wird – letzteres auch im Zusammenspiel mit der Community. Irgendwo hab ich gelesen, die Zukunft des Journalismus sei es, Gespräche, Kommunikation zu einem bestimmten Thema in die Wege zu leiten, das Umfeld dafür zu bieten, sie zu moderieren. Ich denke, das ist ein recht guter Ansatz. Die Geschäftsmodelle lassen sich natürlich nicht herbeizaubern, aber ich bin mir sicher, aus der Asche der alten Medien wird sich in den nächsten Jahr eine neue Form von Journalismus, wenn man es so nennen will, erheben. Bis dahin heißt es: Offen bleiben. Alles mitmachen. Und womöglich einen Plan B in der Tasche haben.

Eine Antwort zu “zitiert #9: Journalisten sind Stahlarbeiter?

  1. Pingback: Tweets that mention zitiert #9: Journalisten sind Stahlarbeiter? « Kommander Kaufmann -- Topsy.com·

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s