re:publica, ein Fest

So langsam hab ich mich von meiner ersten re:publica wieder erholt🙂 Das schönste daran ist sicher, Gesichter hinter den Nicks kennen zu lernen, Avatarbilder mit echten Gesichtern abzugleichen, öfter mal zu denken „Den/die kenn ich doch“ und vielleicht nicht draufzukommen, woher, bevor man nicht den Twitternamen erfährt.

Insgesamt ist das eine sehr inspirierende Sache, weil man viele Leute trifft, die für ihre Sache brennen – was immer sie auch machen. Und das ist schön.

Dazu kommt das Programm, das neben Highlights und nicht zu verhinderbaren Tiefpunkten auch mal Überraschungen bietet: Wie das bedingungslose Plädoyer fürs Grundeinkommen von DM-Gründer Götz Werner. Grundthese: In den heutigen Zeiten arbeiten wir nicht mehr für uns, sondern für andere, oder eben, im schlimmsten Fall, nur für unser Einkommen. Arbeit muss aber Sinn ergeben für uns, und wenn sie das nicht tut, sollten wir eine andere suchen. Und mit Grundeinkommen würde jeder eher das arbeiten, was er mag. Also sehr grob zusammengefasst, jetzt. Schönster Satz daraus: “Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe.”

Gezeichnet von Anna Lena Schiller

Was mich besoners fasziniert hat, war die Session über Makerbots. Bre Pettis hat seinen selbst konstruierten, Open Source 3D-Drucker hergezeigt, der als DIY-Kit zu einem relativ erschwinglichen Preis verkauft wird. Ergebnis: Jeder kann sich zu Hause aus Plastik – und falls er es hinkriegt, Designs dafür zu entwerfen, bzw. schon vorhandene Designs zu benutzen – seine eigenen Dinge ausdrucken. Bsp: Ich brauche eine Trillerpfeife, also such ich mir ein Open-Source-Design und drucke sie mir aus. Das hat natürlich Potenzial, die Produktionsweise wieder mehr in Einzelhände zu legen – weg von Massenproduktion, hin zu Einzelanfertigungen. Bisher geht das leider nur als Plastikteil oder als Sprühbelag z. B. für Toasts … aber dennoch eine fazinierende Angelegenheit.

Die Highlights vom ersten Tag hab ich ja bereits hier beschrieben, jetzt gibt es dort auch Fotos und hier auch Links zu den Vorträgen von Kruse (Ist die Nutzung des Internets eine Glaubensfrage?) und Glaser (Die digitale Faszination). In die Reihe wohldurchdachter Beiträge reiht sich schließlich noch Miriam Meckel ein, die in ihrem Vortrag dafür plädierte, wieder mehr dem Zufall zu überlassen, unser Leben nicht von Algorythmen (Empfehlungen bei Amazon, Männersuche nach festen Kriterien) bestimmen zu lassen. Der Vortrag war ein wahrer Husarenritt an Thesen und Gedanken, da musst man schon bei der Sache sein und das Multitasking mal hintanstellen, um da mitzukommen. Glaubt ihr nicht? Hier ist der Beweis:

Außerdem gut waren #unibrennt, wo Luca über die Besetzung des Audimax in Wien und der Rolle der neuen Medien dabei gesprochen hat, sowie playful cities, ein Überblick über locationsbasierte Anwendungen wie foursquare, gowalla und so weiter, das für viele wahrscheinlich nur wenig neues brachte, aber einen guten Überblick über die Möglichkeiten in diesem Bereich mit viel Enthusiasmus für die Sache verband. Sehr spanned auch Medien hacken – Im Herz der Bestie, wo es um Kommunkationsguerilla ging und wie einfach es ist, etablierte Medien aufgrund fehlerhafter Recherche hinters Licht zu führen.

Das Unschönste an der ganzen re:publica war der shitstorm in Form von anonymen Kommentaren im Forum zum Livestream des Panels „Das andere Geschlecht – Sexismus im Internet“. „Lutsch das Mikrofon du Schlampe“ war da fast noch harmlos. Das Piratenweib hat das mit einer Serie von Screenshots dokumentiert. Nichts für schwache Gemüter und schon traurig. Das Thema Trolle kam immer wieder mal auf bei der re:publica und ich war schon erstaunt, welche Ausmaße das annehmen kann.

Zum Schluss wurde aber alles wieder gut. Während Johnny von Spreeblick auf den Anruf via Skype von Twittergründer Biz Stone wartete (der nie kam), wurde Karaoke gesungen. Ein Riesenspaß und familiärer Abschluss einer familiären Konferenz.

3 Antworten zu “re:publica, ein Fest

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