Hurricane, so war’s

Ich fühle mich in etwa so, als hätte mich der schwarze Rauch aus Lost gestreift. Schwarzes Zeug in Nase und Ohren, Schleimhäute gereizt bis zum Nasenbluten – eine ähnliche Wirkung dürften fünf am Stück weggerauchte Zigarettenschachteln haben. Beim Hurricane reicht es aus, in der Gegend rumzustehen und den Staub einzuatmen. Es war nämlich ein erstaunlich trockenes Festival. Was nicht heißt, dass ich nicht ordentlich nass geworden wäre. Aber der heftige Regenguss hat schön bis Sonntag Abend gewartet und ist schuld daran, dass ich bei LCD Soundsystem geflüchtet bin und mir im Pressezelt die offensichtlich großartigen Vampire Weekend angeschaut habe, während meine klatschnassen Klamotten vor sich hin trockneten.

Public Viewing im Pressezelt für nasse Schwächlinge wie mich

Aber so richtig schade war es nicht, nur die Hälfte vom LCD Soundsystem gesehen zu haben. Obwohl eine meiner favorisierten Bands vor Ort war der Auftritt durchwachsen. Erstens standen im vorderen Abschnitt schon fast nur Fans von Deichkind, die im Anschluss spielten und zweitens funktioniert Murphys Stakkato-Rock-Elektro weitaus besser im Club als bei einem Open Air im Hellen.

Vampire Weekend hingegen brachten die Menge auch im Regenguss ordentlich zum Tanzen, was ich im Vorbeilaufen so mitbekam. Bei der nächsten Gelegenheit schaue ich mir diese Band jedenfalls an – was da so übern Fernseher an Stimmung rüberkam, war schon beeindruckend.

Die größte Überraschung von den Acts, die ich gesehen habe, waren für mich Two Door Cinema Club – die jungen Dinger haben das Zelt ordentlich in Wallung gebracht, und das am Nachmittag. Toller Sound, super Bühnenpräsenz – und gute Songs haben sie ohnehin, die Iren.

Bonaparte waren wie erwartet großartig. Auch wenn sie viele Songs vom alten Album und weniger vom großartigen neuen „My horse likes you“ gespielt haben, einfach weil die alten Sachen im Bandformat besser funktionieren. Aber auch so – die Bühnenshow und dieser Raprockelektrotrash, das ergibt eine geniale Mischung. Es gab Pferde auf der Bühne und Bondage, Bunnys und Computerbildschirme auf den Köpfen der Tänzer zum Hit „Computer in Love“, Diskokugelhüte und Stringtangas, Glitter, Trash und einfach jeden Menge Spaß. Fotos gibt es leider nicht – erstens war ich viel zu sehr beschäftigt mit Tanzen und Schauen, zweitens hatte ich nur die Handykamera parat und war zu weit weg.
Außerdem musste das Konzert aufgrund von Drängen vor dem Zelt kurz unterbrochen werden – anscheinend wurde der Druck der Hereindrängenden zu groß. Später haben wir dann erfahren, dass Frittenbude im anderen Zelt zeitgleich aus den selben Gründen ihren Auftritt ganz abbrechen mussten. Was diese allerdings laut Augenzeugen bei einem Flashmob um vier Uhr Früh auf dem Campingplatz nachgeholt haben.

You better run, run, run

Krasses Gedränge gab es auch an der vorderen Absperrung vor dem Auftritt der Indiefranzosen Phoenix. Diesmal war es so, dass man immer nur auf einer Seite der Absperrung vor die Bühne kam, und auf der ganz anderen Seite wieder rausmusste – was den Securitys den tollen Job bescherte, zwischen Wellenbrechern und tanzender Menge immer einen Meter Abstand freizuhalten. So muss sich Sisyphos gefühlt haben.

Gelohnt hat es sich für die Eingequetschten aber allemal, Phoenix haben einen tollen Auftritt bei teilweise Sonnenschein hingelegt und Mr. Mars hat es sich wie gewohnt nicht nehmen lassen, von der Bühne zu steigen und samt Mikro einmal quer durch die Masse bis zur ersten Absperrung zu laufen und sich begrabschen und zigtausend Mal knipsen zu lassen.

Eine sichere Bank

Ein bisschen wie Abschied nehmen war das Konzert von The XX. Sehr schön, souverän, er mittlerweile durchaus weniger schüchtern und fähig, auch mal ein paar Worte ans Publikum zu richten, sie allerdings leicht aufgequollen, zu viel Alkohohl? Drogen? You never know. Jedenfalls können sie dieses eine, perfekte Album wohl nicht übertrumpfen, mal schaun, ob sie es versuchen. Ansonsten glaube ich, dass Jamie (E-Drummer, Samples) das Soundmastermind ist und man von dem mit Sicherheit noch einiges hören wird – auch wenn er auf der Bühne zum Knöpfchendreher im Hintergrund degradiert wurde, während Romy und Oliver im Vordergrund des mit zwei Xen beleuchteten Pultes posierten und ständig in Close-ups auf die Leinwände geworfen wurden.

X 1

X 2

Insgesamt ein schönes Festival, auch ohne den ausgelassenen Freitag, aber das richtige Hammerhighlight hat mir gefehlt. Vielleicht nächstes Jahr wieder.

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