Einmal Roskilde, immer Roskilde

Zu neunt in einen Bus gequetscht, 30 Grad im Schatten rückte es näher, das legendäre Roskilde Festival, von dem ich bisher nur zwei Sachen wusste: Es ist riesig, 100 000 Menschen, und es sind mal ein paar davon im Gedränge umgekommen. Was ich mir erwartet habe, war also ein Festivalmoloch, ein Hurricane in riesig: größer, staubiger und prolliger.

Fehlanzeige. Irgendwie hat es das Roskilde geschafft, sich einen Hauch des Hippiecharmes zu erhalten, den es zu seinen Anfangszeiten von vor 40 Jahren wohl hatte. Schwer zu sagen, woran es liegt – vielleicht an den vielen kleinen Plätzen und Ecken, an denen man sich niederlassen kann. An den freundlichen freiwilligen Helfern, die allesamt stets kumpelig statt bossig waren. Am Plantschen im Pool. An den vielen Rollstuhlfahrern. Und natürlich am Antifastand, auch wenn der eher zur Liegeskulptur verkommen ist, als politische Überzeugungsarbeit zu lesiten. Wohl auch an den hohen Eintrittspreisen von 230 Euro, die Festivalsauftouristen zuviel sein dürften, weshalb der Prozentsatz an tatsächlich Musikinteressierten einiges höher ist als bei anderen Festivals. Als am Sonntag Kinder unter zehn und Erwachsene über 60 freien Eintritt hatten und Omas auf Stöcken über die Festivalpfade wandelten, stieg dieses Gefühl von Peace, Love and Understanding noch an.

Nichts zu meckern? Klar, es gibt immer was zu meckern. Die Kommerzialisierung (Sponsorenzeugs everywhere). Die Bierpreise. Die Schlangen vor dem Klo. Staub bis zum Ersticken. Die Unmöglichkeit, manche Bands zu sehen vor lauter Massen. Aber das hat man überall.

Das Roskilde hat auch ein paar gute Ideen zu bieten. Beispielsweise die Ampeln, die anzeigten, ob man noch in den vorderen Bereich der Bühnenabsperrung rein kann oder nicht. Oder – sehr lustig – die Pedal Power Bikes, an die man seinen iPod oder sonstwas anstecken konnte und per stramplen wieder aufladen. Ich hielt das ja eher für einen lustigen Gag. Aber ein paar Besucher haben es tatsächlich gemacht. Mit iPhones natürlich – was tut ein iPhone-Besitzer nicht alles für seinen Strom.

Öko ist in Roskilde ohnehin sehr angesagt. „Cut the crap“-Tafeln hier, „Eat vegan“ da, „Organic Cocktails“, Co2-Sparen, mobile Aschenbecher, Dosenbäume, Tetrapackskulpturen … Auf dem Festivalgelände selbst war es auch wirklich nicht schwer, sich vegetarisch zu verköstigen – und tatsächlich sehr sauber.

Auf den Campingplätzen sah das anders aus ….

Da lob ich mir die Ruhe und die tollen Duschen auf dem Pressecamping. Den Gratis Kaffee im Pressecenter. Alles in allem ist das Roskilde ein Festival, das ich sofort wieder besuchen würde. Schon allein deshalb, weil man da mit der Fähre hinfährt und zum Abschied wunderschöne Sonnenaufgänge erlebt.


Bei alledem hab ich fast die Bands vergessen:

Bestes Revival: Pavement. Sie können es immer noch, auch wenn das Publikum in Roskilde ein bisschen brauchte, das zu merken.
Nice Surprise: Japandroids. Laut, energetisch, symphatisch.
Beste Neuentdeckung: Titus Andronicus. Fleisch gewordener Tanzvirus.
Souverän: The National. Schön und introvertiert, zum Runterkommen.
Most Famous: Prince. Für mich bisschen wie die größte Attraktion des Zoos auf eine Bühne gestellt.
Schmerzlich verpasst: LCD Soundsystem
Nur gehört, nicht gesehen: Florence And The Machine

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3 Antworten zu “Einmal Roskilde, immer Roskilde

  1. Oh ja, großartig war’s! Wenn ich am Ende auch viel weniger Musik mitbekommen habe, als geplant war, war das mit euch schon echt ein riesiger Spaß.🙂

  2. Oh ja, ich habe auch weniger Konzerte gesehen, als vorgenommen. Aber da war ja auch noch was zu tun und das Gelände zu erkunden etc. …

    Und manche der Bands sehe ich, wenn’s gut geht, dieses Wochenende auf dem Melt!

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