Lesotho, das Königreich im Himmel


Lesotho, die kleine, von Südafrika umschlossene parlamentarische Monarchie mit knapp 2 Millionen Einwohnern, wird wegen seiner Höhenlage auch das Königreich im Himmel genannt.

Während meiner knapp fünf Tage in der Hauptstadt Maseru habe ich vom Land hauptsächlich Krankenhäuser und ein bisschen Landschaft aus dem Autofenster raus gesehen. Aber es ist, trotz aller Probleme mit Hunger, HIV und Armut, ein schöner Flecken Erde.


Karg und windig in den Bergen, wie auf den Bildern aus dem nördlichen Bezirk Butha Buthe, wo es noch viele der typischen Basotho-Rondavel (Rundhütten) zu sehen gibt.

Das Seboche-Krankenhaus in dieser Region betreut mit einer Handvoll Ärtzen eine Population von 50 000, die oft unmenschliche Wege ins Krankenhaus zurücklegen müssen. Ein großes Problem im Gesundheitswesen ist, dass es in Lesotho keine Möglichkeit gibt, Medizin zu studieren, und Lesothen, die im Ausland studieren, kommen meist nicht zurück.


Die schwangeren Frauen, die für die Geburt im Krankenhaus untergebracht werden, teilen sich diese eine Hütte und müssen aufgrund Matratzenmangels zum Teil auf dem Boden schlafen. Dafür bezahlen sie.


Die Wolldecken heißen kobo und werden von den Lesothen traditionellerweise das ganze Jahr über getragen.


Ich konnte vor Ort mit HIV-positiven Müttern sprechen, die mit Hilfe von antiretroviralen Medikamenten gesunde Kinder zur Welt gebracht haben. Wie das medizinisch möglich ist, habe ich bei Spreeblick ausführlich beschrieben.


Die gesunden, lachenden Kinder zu sehen, das ist schon wie ein kleines Wunder. Es war stets dieses Kinderlächeln, das einen weitermachen ließ, anstatt die Kamera davonzuwerfen und schnell schnell schnell wieder ins Flugzeug nach Deutschland zu steigen.


Dieser Vater ist HIV-negativ und konnte mit seiner HIV-positiven Partnerin dieses süße Mädchen bekommen.


Bei solchen medizinischen Wundern ist es kein Wunder, dass für die Lesothen Heilung und Glaube anscheinend eng beisammen liegen. 80 Prozent der Einwohner sind Christen.

Das herzerweichendste an unserem Aufenhalt war der Besuch von Waisenkindern, von denen es in Lesotho Unmengen gibt. Die vier Jungs auf dem Bild lebten mit ihrer Großmutter bis vor kurzem in einer winzigen, schäbigen und undichten Hütte.


Das ist ihr neues Haus.

Außerdem waren wir noch in einer Schule für blinde Kinder. Viele von ihnen sind ebenfalls Waisen, oder wurden aus weit entlegenen Dörfern mitgenommen, wo sie keine Chance gehabt hätten, eine Schule zu besuchen. Es war beklemmend, in dem kleinen Raum in der Schule zu sitzen und den Lehrerinnen zuzuhören, als sie von ihren Problemen erzählten. Viel zu viele Kinder kommen, so dass ein Raum, der eigentlich für 15 gespendete Computer genutzt werden sollte, nun belegt ist und die Computer nutzlos sind. Braille-Drucker, welche die Schule gespendet bekommen hat, funktionieren aufgrund der Elektroanschlüsse nicht richtig. Und das traurigste: Manche der Kinder, die eine Familie hätten, können diese auch in den Ferien nicht besuchen, weil das Geld für die Reise nicht langt. Ab und an haben die Lehrerinnen dann schon Kinder mit nach Hause genommen, oder sie bleiben bei der Haushälterin.



Das Erstaunliche an diesem Ort: Ich habe selten Kinder gesehen, die so nett miteinander umgehen. Die, die besser sehen, nehmen die vollständig Blinden an die Hand, helfen ihnen beim Essen.


Das Mädchen links meinte auf meine Frage, ob es ihr im Heim gefalle: Ja, sie habe ja ihre Freunde hier.

Da kann man gar nicht anders, als über sich und sein privilegiertes Leben nachzudenken, auch wenn das nun wirklich niemandem hilft. Sitzt abends im ruckelnden Van in Richtung 5-Sterne-Hotel, fühlt sich leer und übervoll von Gefühlen und Eindrücken gleichzeitig … und dann schenkt einem dieses Königreich der Himmel noch einen Sonnenuntergang zum Zerschmelzen. Als es ob es alles wiedergutmachen wollte.

2 Antworten zu “Lesotho, das Königreich im Himmel

  1. Wunderbare, authentische Photos. Echt gut. Auch die Berichte dazu, hier oder bei Spreeblick.
    Erinnert mich auch daran, dass ich gerne mal länger nach Afrika würde, gerne sogar in einer Hilfsorganisation. Genug zu tun gibts ja, deine Erfahrungen zeigen es ja nur zu deutlich.

  2. Danke! Wenn du da Lust drauf hast, solltest du es machen – aber wie meine Erfahrungen gezeigt haben, lieber in einem vor Ort geführtem Projekt als in einer von Deutschen geleiteten Institution.

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