Groupie sein. Nur einmal.

Eine feministische Grundhaltung und Groupietum, ich weiß nicht ob sich das verträgt. Musste es bisher auch nicht. Wenn ich etwas nie wollte, dann war es Groupie sein. Zu gut kann ich man an das ätzende Gefühl von damals erinnern, er 18, ich 16, er Starstürmer in der Dorfmannschaft, ich … im Publikum. Sonntag für Sonntag. Wie unspannend. Dazu noch meine Mutter, die das Ganze mit dem Schlager „Er steht im Tor und ich dahinter“ kommentierte.

Aus dieser Erfahrung zog ich meine Schlüsse – und wollte von da an nicht mehr die ganz tollen Typen, die die ganz ganz tollen Sachen machten. Aus und vorbei mit Anhimmeln und Terminkalenderdominanz der Herren.

Und so bin ich, als jemand, der bei Gitarren absolut schwach wird, sie aber nicht spielen kann, eben Journalistin geworden und nicht Groupie. Weil ich da, zumindest in Interviews, auf Augenhöhe bin mit denen, die’s können.

Heißt aber auch, dass das Schwachwerden verboten ist. Dass ich mir die vernünftige Variante ausgesucht hab. Und gestern, gestern hat mir das zum ersten Mal Leid getan. Vielleicht, weil ich 28 bin und sich die Frage gar nicht mehr stellt. Vielleicht, weil meine Lieblingsfranzosen in der Stadt waren.

Vielleicht auch nur, weil ich nach drei Jahren Job und Verantwortung und permanent kritisch sein einfach mal Bock drauf hätte, einfach nur anzuhimmeln. Mit in einen Tourbus steigen und drei Wochen zu verschwinden, jeden Tag in einer anderen Stadt zu landen.

Um dann wieder zu wissen, wie beschissen das doch ist. Aber einmal, nur einmal, muss man das doch gemacht haben, oder?

Die Pragmatik des Kollegen C. hat meine Luftschlösser dann wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: „Wenn, dann solltest du dir eine Band suchen, die schon groß genug für gutes Catering ist.“ Und da dacht ich mir:  Wahrscheinlich würde es mir mit dem Groupietum wie mit dem Journalismus gehen. Denn da hatte ich, ich geb’s ja zu, auch eher sowas in der Sorte Louis Lane vor Augen. Und das war, ehrlich gesagt, ähnlich illusorisch.

Eine Antwort zu “Groupie sein. Nur einmal.

  1. Na, dass ausgerechnet Kollege C. so wahnsinnig großen Wert auf gutes Catering legt, will ich doch nicht glauben. Ansonsten aber: hübscher Text.
    (Ich würde übrigens einiges drum geben, bei Sophie Rois zum Groupie zu werden. Und was es zum Essen gäbe, wäre mir bei ihr auch egal.)

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s