HAM.Lit revisited. Besser spät als nie.

Okay. Heute ist der 7. Februar. Am 3. hat HAM.Lit, das Hamburger Literaturfestival, zum zweiten Mal stattgefunden. Bisschen her, aber wenn man keine Zeit hat … Weil es aber einen Vorbericht gab, soll es auch einen Nachbericht geben. Zumal es gut war. Zwar gab es nicht die großen Highlights und Neuentdeckungen, aber es war einfach schön, sich einen Abend lang den Worten zu widmen. Wenn man wie ich seit Wochen dasselbe Buch neben dem Bett liegen hat, in dem man selbst nur völlig zerstört zum Schlafen landet, ist das Luxus: Einen Abend lang nur lauschen, schönen, witzigen, blöden, launigen Worten. Ich hab es schon fast vergessen, wie sehr Sprache berühren kann. Vor allem, wenn es so ungezwungen zugeht wie bei HAM.Lit. Den Hamburgern scheint es auch zu gefallen, immerhin war es wieder brechend voll.

Mit meinem Vorabtipp Mariana Leky lag ich übrigens richtig. Ihre Lesung aus „Die Herrenausstatterin“ war bezaubernd: Eine Frau, zurückgeblieben nach dem Tod ihres Freundes, ohne Job, in ihrer Wohnung, stinkend, besucht nur von einem Geist und ehemaligen Philologen sowie einem Feuerwehrmann, der mit einer Taschenlampe nach Feuer sucht und ihre Notfalltablette im Kaffee trinkt.

Dann wurde es zusehends zynischer. Kathrin Seddig platziert ihren Helden mit authentischen Dialogen und Gedankenfetzen in der abgefucktesten Wohnung der Stadt, im bescheuertsten Job der Stadt, so bescheuert, dass in einem halben Jahr seiner Abwesenheit niemand seinen Platz einnehmen wollte – weder in der Wohnung, noch im Job.

Peggy Mädlers nüchterne (nicht schlechte) Erzählung über die Tochter einer Alkoholikerin holte die Stimmung auf den Boden, Hannes Köhler durfte das dann wieder retten – was ihm mit der Geschichte eines Verschwundenen, in dessen Tagebuch sich der beste Freund verliert, auch ganz gut gelungen ist.

Und dann, als Ersatz für die kranke Felicia Zeller, las der Hausherr Tino Hanekamp höchstpersönlich, aus seinem neuen Roman „So was von da“. Und der ist sowas von Hamburgerisch, spielt auf dem Kiez und klingt wie von einem betrunkenen, zum Proll mutierten Schamoni geschrieben. Was nicht unbedingt negativ ist!

Die Elektrobeatsprosa von Marcel Maas … war dann zuviel des Guten. Nicht schlecht, die Wortwiederholungen und die Beats, der in Worte verpackte hedonistisch jugendliche Wahn. Aber irgendwann nicht mein Thema, die Drogensache und das Loslösen. Zu spät, zu müde, und einfach viel zu lang. Auch wenn es für die Caribou-Einspielungen thumbs up gibt!

Die Bands waren dieses Jahr nicht so meine – also hab ich sie gleich sausen lassen. Aber für die Worte komme ich nächstes Jahr wieder. Und sei es nur, weil ich mir sonst nie Zeit dafür nehme.

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