Ein Rundumschlag: Neue Heldinnen, alte Bräuche.

Tja, nun ist es zu spät, um noch etwas zur re:publica zu sagen. Habe ich aber hier schon getan. Was aber unbedingt noch rausmuss, ist ein Dankeschön an @_die_katrin und ihre Verteilaktion: Sie hat von Bloggern gemachte Fotos auf Buttons gepresst und zur freien Mitnahme an die Wand gehängt. Ich habe dieses schöne Teil mit Sommerflair von @lemontonic21 ergattert.

Darüber hinaus gab es eine späte Überraschung für mich, als nämlich die Profilagentin ihren Vortrag namens „Icons“ auf Slideshare stellte. Ich war da nämlich gerade Bootfahren auf der Spree, als sie über die psychologischen Hintergründe unserer Profilbilder sprach, und in den Folien habe ich entdeckt, dass ich da auch vorkomme. Es ging um mein Twibbon für die re:publica auf Twitter. (Das ich nun auch endlich ausgetauscht habe, denn Twibbons nachtragen ist das digitale Äquivalent zu Festivalbänder dranlassen. Und dass das scheiße ist, habt ihr hoffentlich auch schon mitgekriegt.)

Jedenfalls hat die Profilagentin eine semantische Verknüpfung zwischen meinem Profilbild und Uma Thurman aus Kill Bill hergestellt. Steht zumindest so in den Foliennotizen. Das war nicht bewusst eingesetzt von mir, aber sie trifft damit schon ziemlich ins Schwarze. Ich bin gerade zu Besuch im Elternhaus, und in meinem alten Zimmer hängt das da an der Tür:

Die Braut aus Kill Bill ist tatsächlich eine meiner weiblichen Heldinnen, und dass die Braut sich nun unterschwellig in mein Profilbild schmuggelt, zeigt wieder einmal, wie gut Tarantino sich popkultureller Codes bedient, mit denen wir ohnehin aufgewachsen sind, und die eben jederzeit auch unbewusst abrufbar sind. Allerdings hat mich diese Begebenheit auch dazu bewogen, mal über dieses Heldinnenbild nachzudenken, dem ich da so popkulturell geprägt aufsitze. Und ganz ehrlich: Finde ich eine Frau, die aus Rache alle niedermetzelt, bis zum bitteren Ende, um dann endlich ihr Glück als Mutter zu finden, wirklich noch so cool? Lässt man das ganze Kung Fu weg, bleibt der Mutterinstinkt und eine rachsüchtige Frau. Schon stark zwar. Aber wenn ich es mir genau überlege, möchte ich eher stark in der Hinsicht sein, keine negativen Gefühle mit mir herumzutragen. Mich wehren, wenn es sein muss: Ja. Auf Rachefeldzug gehen: Nein. Verzeihen, lieben und Spaß haben: Ja.

Blöderweise gibt es da gerade keine Figur in der Popkultur, über die ich mich definieren könnte. Aber es ist auch egal. Seit ich im Netz abhänge, habe ich immer mehr reale Frauen kennen gelernt, die mich inspirieren. Und einen neuen Feminismus, der gleichermaßen über Humor und Haltung geprägt ist, einen, den Männer auch sexy finden dürfen, ohne dass uns das gleich wieder etwas vom erkämpften Standpunkt wegnehmen würde. Vielleicht ist es auch ein Zeichen von Erwachsenwerden, wenn man sich seine Vorbilder nicht mehr als Poster übers Bett hängt.

Dennoch bleibt die Popkultur wichtig. Sie ersetzt für viele von uns das, was hier am Land die Traditionen und Bräuche sind, wie mir zu Ostern bewusst geworden ist. Jesus war der erste Popstar. Nur die besten sterben jung. Wenn sie dann auch noch medial wieder auferstehen, und das Jahr für Jahr, hat die Popkultur den Kult, den sie braucht.

Am schönsten ist es, wenn alte Bräuche aufgegriffen und verändert werden. Ich war dieses Jahr wieder bei einem Osterfeuer, und den Leuten da war das schlichte Haufenanzünden wohl zu langweilig nach so vielen Jahren. Dann ist einfach das draus geworden:

Osterfeuer galore from Kommander Kaufmann on Vimeo.

Schön, oder?

4 Antworten zu “Ein Rundumschlag: Neue Heldinnen, alte Bräuche.

  1. … aber ist „Lieben und verzeihen“ nicht eine klassische patriarchalische Forderung an Frauen? Und was Wehren vs Rächen angeht: Ok, Vernita aka Copperheadumzulegen war wohl überflüssig. Aber O-Ren Ishii und Elle Driver hätten und haben Jagd auf die Braut gemacht, sobald sie erfahren haben dass sie wieder auferstanden ist. Da ist der Feldzug also nur Verteigung durch Angriff. Also, wo ist die Grenze?
    Jaja. Weiß schon was du meinst…

  2. Da hast du schon auch recht, mit der klassischen Forderung. Aber ich glaube, es geht um die eigene Ausgangslage, und ich bin tendenziell eher kämpferisch, mir schadet der Schritt zurück dann nicht. Bei anderen würde ich das auch wiederum anders sehen. Und dass Wehren und Verteidigung und ab und an auch Angriff wichtig sind, das sehe ich auch so. Die Grenze bei der Braut … war wohl Bill. Und im Film war es auch genau richtig, dass sie ihn gekillt hat.

  3. Oh, dann weiß ich ja endlich woher mein Geburtstagsbutton von Thang kommt und was er darstellt. Schade das ich die Aktion selber gar nicht mitbekommen habe, sehr schön auf jeden Fall.🙂

  4. Hach, wie lustig, dass du den Button meiner Freundin Chrisi (a.k.a. @lemontonic21) bekommen hast – und noch mit einem Foto, bei dessen Entstehung ich dabei war😀
    Danke noch mal für deinen Beitrag im dmwHH Blog – hoffentlich bald wieder!?

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