T-22: St. Vincent – Cheerleader

I’ve played dumb when I knew better,
tried too hard just to be clever.

Morgen spielt sie im Indra, die zarte Gestalt, bei der ich als einzige Engelslöckchen gutheiße. Und dann noch der heilige Name dazu – St. Vincent ist die ideale Kandidatin, um im Adventskalender von jemandem aufzutauchen, der den ganzen Firlefanz um Weihnachten eigentlich nicht gut heiß. Aber dann doch wieder liebt. Ich bin da seltsam gespalten. Ich meine, 90 Prozent der Kalender da draußen wollen etwas verkaufen. Aber dann gibt es doch wieder die kleinen Perlen, wo sich jemand wirklich einen Spaß gemacht oder etwas Sinnvolles überlegt hat. Und neulich, da hab ich meine Teilzeit-Kollegen im Verlag besucht, und der M., der hat einen selbstgefüllten von der Mama geschickt bekommen, sogar mit echter Glocke, die bommelt, und da war ich doch ganz kurz neidisch. Aber anscheinend warf ja sogar der tradtionswiderständige Fischer neidige Blicke in Richtung Kalender, sonst hätte er wohl kaum von der Mama vom M. eine Weihnachtskarte zugesandt bekommen, als Kalenderersatz. Vielleicht ist das eine kitschige Ansicht – aber manchmal braucht es so einen Anstoß von außen, um mal wieder was Nettes für andere zu machen. Ich selbst hab zum Beispiel keinen Kalender. Aber ich mach ein paar für ausgewählte Menschen, auf meine Art. Meine Schwestern zum Beispiel kriegen jeden Tag ein Foto mit Grimassevon mir. Weil sie mich sonst kaum zu Gesicht kriegen. Und eine andere Kollegin hat einen Kalender im Treppenhaus für alle Hausmitbewohner gemacht. Kann man das scheiße finden? Nicht wirklich, oder?

Aber ich bin abgeschweift: Eigentlich war ich ja bei St. Vincent, die morgen in Hamburg spielt. Und wollte erklären, warum sie ideal in ein Türchen passt für mich (mal abgesehen von den Locken). Die Lyrics von Cheerleader sind ein Bekenntnis, alles mal probiert zu haben und manches auch gut gefunden zu haben. „I had good times with some bad guys“, zum Beispiel. Aber im Endeffekt dann doch herauszufinden, was man will, wofür man steht. Irgendwann will man dann auch nicht mehr der doofe, coole Cheerleader sein, auch wenn man schon mal Spaß hatte daran. Irgendwann muss man altbackene Traditionen ablehnen. Und sobald man das getan hat, kann man dann sein eigenes Ding damit machen.

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