Django Unchained

Ich war am Freitag im Kino und habe mir Django Unchained angesehen. Ein Western von Quentin Tarantino! Da waren meine Erwartungen natürlich hoch. Schließlich ist es eines seiner Lieblingsgenres. Das Fazit: Er gehört nicht zu Tarantinos besten Filmen. Die Geschichte ist nicht so episch wie beispielsweise bei „Kill Bill“, die Dramaturgie, der Rhythmus nicht so perfekt wie bei „Inglorious Basterds“, die Dialoge sind nicht so genial wie gewohnt. Es geht ein wenig holprig los, erst in der zweiten Hälfte kommt der Film so in Fahrt.

Dennoch ist die Geschichte des Sklaven Django, der mit Hilfe eines schrulligen Deutschen seine große Liebe aus den Klauen eines Plantagenbesitzers befreien will, sehenswert. Man bekommt alles, was man sich von einem Tarantino-Film erwartet (nur halt nicht ganz so elegant zusammengesetzt wie gewohnt):

Einen tollen Soundtrack.

Schrullige Charaktere.

  • Christoph Waltz als Dr. Schultz, der diesmal die gutmütige und heldenhafte Variante eines Deutschen verkörperte.
  • Leonardo DiCaprio als skrupelloser Plantagenbesitzer.
  • Samuel L. Jackson als durch und durch bösen Haussklaven, der Plantagenbesitzer DiCaprio aber nach seiner Pfeife tanzen lässt und Seinesgleichen mit Freude tyrannisiert.

Skurrile Zitate.
Anspielungen auf die Siegfried-Sage und eine Deutsch sprechende Sklavin namens Broomhild von Shaft.

Splatter & Showdowns.
Wie es sich bei Tarantino gehört, wurde geschossen und gemordet, dass es eine Freude war. Der Film hat nicht nur einen, sondern mehrere Showdowns, in denen der Held, Django, seine Schießkünste eindrucksvoll unter Beweis stellen darf und Tarantino reihenweise Spaghettiwestern zitieren kann.

Explizite Gewalt.
Das war hart. Obwohl Tarantino nach Eigenaussage besonders heftige Szenen bereits herausgenommen hatte, gab es in Django Unchained schon zwei Stellen, an denen ich wegsehen musste. Tarantino hat sich die ernsthaften Gewaltdarstellungen diesmal alle für die Darstellung der Gräuel von Sklaverei aufbehalten, und die schlimmste Szene im Film zeigt einen sogenannten „Mandingo“-Kampf, wo zwei Sklaven in einem Kampf auf Leben und Tod aufeinander losgelassen werden. Insgesamt führten die rasanten Wechsel zwischen Splatter, brutaler Gewalt, Komik und Mitgefühl dazu, dass ich etwas mitgenommen aus dem Kinosaal ging.

Opfer als Helden.
Für mich der wichtigste Punkt. Tarantino holt die Opfer aus der Position als Schwächerer, gibt ihnen Würde, Respekt und vor allem Handlungsfähigkeit. Das war so bei „Death Proof“, wo er Frauen aus der Rolle als Belästigte, Missbrauchte, Getötete holte und zu brutalen Rächerinnen machte, das war natürlich so bei „Inglorious Basterds“, wo er am Ende die gesamte Nazielite in die Luft jagte, und das ist so bei „Django Unchained“, wo sein Held erst seine Freiheit und Würde zurückbekommt, und dann die Gelegenheit zur Rache. Natürlich ist Rache kein adäquates Mittel für Wiedergutmachung – in der Realität. Aber wie Tarantino selbst erklärt, kann sie innerhalb eines Genrefilms durchaus Genugtuung hervorrufen.

Es waren die Szenen, die auf diese Katharsis abzielten, die im Kino besonders gut ankamen. Es gab mehrmals Szenenapplaus, als Bösewichte, also Täter, hingerichtet wurden. Es fühlt sich an wie eine späte Form von Gerechtigkeit, als könnte irgendetwas wieder gut gemacht werden. Natürlich geht das nicht, aber dennoch ist das Bild eines schwarzen Helden, der am Ende als Sieger hervorgeht und mit der Liebe seines Lebens, als freier Mann, davonreiten darf, ein starkes, das wir so bisher nicht im Kino gesehen haben. Allein deswegen ist „Django Unchained“ dann doch ein „Must-see“.

4 Antworten zu “Django Unchained

  1. Prima Kritik, der ich gut zustimmen kann. Zumal ich nicht so der Experte bin. Einige Punkte meinerseits noch hinzugefügt:
    Die Ku-Klux-Klan-Szene war Komödie (ich musste an Monty Python denken), andere Szenen auch. Die oft aggressive Betonung des Wortes „Nigger“ (mit viel Kritik von vieler Seiten), bei der man sich ständig fragt, wer wie „Freiheit“ definiert, da der Begriff auch von den Haus-Sklaven verwendet wird; die Hierarchie innerhalb des Hauses, die schnell deutlich macht, das Sklaverei kein Rassenproblem ist. Trotz aller Gewalt: Viele feine Szenen darin; zugegeben, auch meine Meinung: Zwischendurch sehr holprig mit dennoch großartigen Aufnahmen.

  2. Es war sehr geschickt von Tarantino, seine Charaktere nicht nach Rasse in gut und böse einzuteilen, ja. Auch die erst ablehnenden Reaktionen der Sklaven auf den freien Django sind ein interessanter Aspekt – zumal seine Rettung am Ende nur noch die Unterstützung der Gefangenen möglich wird. Meiner Meinung nach ein Sinnbild dafür, dass Benachteilige nur im Zusammenhalt Machtstrukturen aufbrechen können.

  3. Ja, das Thema „Macht“ hat er in einigen Dialogen und Szenen sehr fein aufgedröselt. Stimmt. Nach dem Schauen wollte ich ihn eigentlich nicht noch mal sehen, aber jetzt überlege ich….😉

  4. Ich kann dem Kommentar in den meisten Teilen folgen und zustimmen, bis auf das Thema Gewalt.

    Es wird nun nicht soviel mehr geschossen, wiein anderen Western, da eher üblich. Es gibt nur zwei schöne Splatterszenen, wobei die eine, mit den Hunden leider nicht richtig gezeigt wird. Die andere Szene mit den beiden Kämpfern, war die einzige im gesamten Film, die auch als Splatter bezeichnet werden könne, ich war der einzige im Kinosaal, der da laut lachte, aber die Dialoge beim Wegnehmen des Augenlichts und dem Erledigen per Hammer waren halt sehr schön.
    Kurzum: Es ist halt kein Splatterfilm, dafür splattert es viel zu wenig, das ist aber auch ok so, ist ein Western.

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