Kranke Träume

Wir sind in einer dieser ekligen, testosterongeschwängerten Truckerkneipen am Straßenrand eines endlosen Highways. Es muss irgendwo im Süden der USA sein. Malte und ich haben es wohl endlich geschafft, unseren Road Trip durch die Staaten in die Tat umzusetzen. Aber nun ist eine Pause angesagt. Es riecht nach billigem Whiskey und ganz hinten stehen ein paar Spielautomaten, die nervige Geräusche machen. Es ist nicht der Ort, von dem ich mir eine saubere Toilette erwarte, aber da hilft nun alles nichts. Beim Betreten des Klos bin ich erstaunt, sieht relativ frisch geputzt aus. Ich mustere die Klobrille, will mich schon niederlassen, da sehe ich es. Etwas Spitzes, Hautiges ragt unter der Brille hervor, es sieht aus wie … Ich will es nicht wahrhaben, aber mutig, wie man es nur im Traum ist, hebe ich den Klodeckel hoch und ja! Es ist tatsächlich eine Zunge. Eine menschliche Zunge. Abgebissen vom Rest des Körpers, zu dem sie gehörte. Panik.

Ich lasse den Klodeckel zuknallen, raus aus der Frauentoilette, rein in die Herrentoilette, wo Malte sich vermutlich gerade aufhält, aber ich komme nicht weit. Der Typ, der sich um die Toiletten kümmert, baut sich vor mir auf und zwischen zwei Kautabakmahlgängen schnarrt er: „Wrong way, lady!“ Er ist Mexikaner, ein Typ wie aus dem Titty Twister, mit Schnäuzer und Tätowierungen, gegerbter Haut und natürlich Cowboystiefeln. Ich halte es dennoch für eine gute Idee, ihn mit in die Frauentoilette zu schleifen, „I have to show you something, it’s horrible“, ziehe in mit, öffne die Klotür, und nun ist da auch Blut, nicht viel, aber doch, und die Zunge liegt auf dem Boden und ich erwarte eine Reaktion von dem Typen, aber die kommt nicht so wie erwartet, er starrt auf die Zunge und holt dann seelenruhig den Wischmop aus der Ecke.

Ich gehe raus, aufgeregt, auf den Type hinter der Bar zu, ein bisschen Angst habe ich mittlerweile, weil, der Mörder, irgendwo muss er doch … und wo ist eigentlich Malte? Der Chef, kein Mexikaner, aber ansonsten ebenfalls Tätowierungen auf den Oberarmen, weißes Muskelshirt, Jeans mit Riesenschnalle, Cowboystiefel, hört sich meine leicht hysterische Schilderung an, und sagt etwas von: „Yeah … we’ll take care of it“, bevor er sich wieder dem Geld zählen in seiner Registrierkasse zuwendet.

Ich höre mich sagen: „But I call the police now“, bisschen doof, aber hey, ich habe doch mein iPhone. Ich ziehe es aus der Tasche, so schnell können die mich gar nicht kaltmachen und verbuddeln, bevor die Bullen da sind, Highway-Police und so. Clever girl! Gerechtigkeit wird siegen! Da fällt mir ein, dass ich das Ding ja nur zum Fotomachen mit habe und im amerikanischen Netz nicht telefonieren kann. Malte ist immer noch weg. Ich wache auf.

Und denke: Wenigstens ein Beweisbild von der Zunge hätte ich machen können.

2 Antworten zu “Kranke Träume

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