Kill the moment

… before it kills you. 

Nach unzähligen Hollywoodschnulzen, Valentinstagsanzeigen und Instagram-Schnappschüssen kann ich keinen Sonnenuntergang mehr ernst nehmen. Keine in den Sand gemalten Herzen oder – absoluter Abturner – Rosenblätter und Kerzenmeer ums Bett. Schlösser an Brückengeländern bringen mich nur auf den Gedanken, dass die da wohl länger hängen werden als die Beziehungen dauern und ich bin ein wenig traurig ob der fehlenden kreativen Eigenleistung dieser Ach-so-Verliebten. Dann noch lieber ein hingeschmierter Spruch auf dem Bahnhofsklo. Aber selbst die sind meistens ein Abklatsch, von irgendwem kopiert, genauso hohl wie die Phrasen aus dem Poesiealbum aus Schulzeiten.

So sind wir also da angelangt, wo wir jeden Anflug von stereotyp anmutender Romantik durch Zynismus oder Satire zerstören, bevor der Moment uns packen und wir in seiner standardisierten Phantasielosigkeit versinken wie in einem zu weichen Bett, das im Endeffekt nur Rückenschmerzen verursacht.

Andererseits braucht eine Beziehung aber diese Momente, in denen sie zelebriert wird. Nur wer sagt, dass es die reibungslosen, glatten, perfekten sein müssen?

Vielleicht sind es Momente wie die, wo man gemeinsam beim Arzt sitzt und trotzdem über die Bravo-Lovestory lachen kann. Oder sich auf der Heimfahrt im Bus den halb geschmolzenen Schokoriegel teilt. Wenn man mitten auf einer vollen Party steht und es sich für Minuten so anfühlt als wäre man alleine auf der Welt. Oder nach einem anstrengenden Tag mit dem Kopf im Schoß des anderen einschläft.

Vielleicht ist Romantik für mich schlicht, wenn ein ganz normaler oder sogar unangenehmer Moment rein durch die Anwesenheit des anderen besonders wird. Ganz ohne Sonnenuntergang und Klimbim.

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